Lohnt ein Abschluss?
Tja – das ist wohl die uns meistgestellte Frage.
Leider müssen wir zwei Drittel unserer Kinder vor der Tatsache stellen, dass sie zu spät gekommen sind, denn ein Arzt hat bereits eine Diagnose erstellt oder Überprüfung angeraten.
In dem Moment, wenn irgendein Arzt oder Schularzt anrät, die Zähne Ihres Kindes beobachten bzw. durch einen Kieferorthopäden begutachten zu lassen, ist der Versicherungsfall bereits eingetreten, auch wenn eine Behandlung erst viel später erfolgen wird.
Generell können immer nur neue und heute unbekannte Versicherungsfälle gedeckt werden, sodass es im oben genannten Fall zu spät ist – es kann keine Versicherung mehr abgeschlossen werden.
Der Volksmund sagt treffend: „Ein brennendes Haus kann man nicht mehr versichern.“
Kassen erstatten nur nach Schweregrad
Leider besteht immer noch die Meinung, dass die Kasse die Zahnspange voll erstattet, aber 2002 wurde ein dramatischer Rotstift angesetzt.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten nur noch ab einem bestimmten Schweregrad. Um die Kosten im Bereich Kieferorthopädie zu senken, hat der Gesetzgeber 2002 ein Abstufungssystem eingeführt. Die Fehlstellungen wurden in fünf kieferorthopädische Indikationsgruppen (KIG) eingeteilt – von leichter bis extrem ausgeprägter Zahn-/ Kieferfehlstellung. Die Kasse zahlt erst ab KIG-Stufe 3.
Eine leichtere Fehlstellung gilt nicht als erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigung. Die Behandlung muss bei KIG 1 oder KIG 2 aus eigener Tasche beglichen werden.
Die Rechnung ging auf – seitdem erkennt man einen erheblichen Rückgang der von der Kasse bezahlten Behandlungen. Alleine in West-Deutschland werden so 22% der Kinder »ausgeKIGt«.
Kieferorthopädische Indikationsgruppen (KIG)
| KIG 1 | |
| D1 | Obere Schneidezähne stehen bis zu 3 Millimeter vor. |
| O1 | Offener Biss (vorn/seitlich mit einem Abstand der Schneidezahnkanten bis zu 1 Millimeter. |
| T1 | Tiefer Biss mit einer Überlappung der oberen Schneidezähne von 1 bis 3 Millimeter |
| E1 | Engstand von unter 1 Millimeter |
| KIG 2 | |
| D2 | Obere Schneidezähne stehen mehr als 3 bis zu 6 Millimeter vor. |
| O2 | Offener Biss (vorn/seitlich mit einem Abstand von 1 bis 2 Millimeter. |
| T2 | Tiefer Biss mit einer Überlappung der oberen Schneidezähne von mehr als 3 Millimeter, die Zähne berühren das Zahnfleisch. |
| K2 | Kopfbiss: Obere und untere Schneidezähne stehen Kante auf Kante. |
| E2 | Engstand von 1 bis 3 Millimeter |
| P2 | Platzmangel mit Platzbedarf bis zu 3 Millimeter |
| KIG 3 | |
| O3 | Offener Biss (vorn/seitlich mit einem Abstand von 2 bis 4 Millimeter. |
| T3 | Tiefer Biss mit einer Überlappung der oberen Schneidezähne von mehr als 3 Millimeter, die Zähne verletzen das Zahnfleisch. |
| K3 | Kreuzbiss auf beiden Kieferseiten (Frühbehandung möglich) |
| E2 | Engstand von 3 bis 5 Millimeter (inklusive Unterkiefer-Klebedraht) |
| P3 | Platzmangel mit Platzbedarf von mehr als 3 Millimeter (Frühbehandlung möglich) |
| KIG 4 | |
| U4 | Zahn nicht angelegt (Lückenschluss oder Lücke öffnen für prothetischen Ersatz). |
| S4 | Durchbruchstörung (ausgenommen Weisheitszähne). |
| D4 | Obere Schneidezähne stehen mehr als 6 und bis zu 9 Millimeter vor (auch Erwachsenenbehandlung) |
| M4 | Vorbiss: Untere Schneidezähne stehen bis zu 3 Millimeter vor den oberen Schneidezähnen (auch Frühbehandlung, frühe Behandlung, Erwachsenenbehandlung). |
| O4 | Offener Biss mit einem Abstand von mehr als 4 Millimetern durch schlechte Angewohnheit wie Daumenlutschen (Abgewöhnen). |
| B4 | Oberkiefer-Seitenzähne stehen außen vor den unteren Seitenzähnen (auch Frühbehandlung und Erwachsenenbehandlung) |
| K4 | Kreuzbiss auf einer Kieferseite (auch Frühbehandlung und Erwachsenenbehandlung). |
| E4 | Engstand von mehr als 5 Millimetern (inklusive Unterkiefer-Klebedraht) |
| P4 | Platzmangel mit einem Platzbedarf von mehr als 4 Millimetern. |
| KIG 5 | |
| A5 | Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und andere Entwicklungsstörungen im Kopfbereich (auch frühe Behandlung und Erwachsenenbehandlung). |
| S5 | Verlagerung von Zähnen (ausgenommen Weisheitszähnen). |
| D5 | Obere Schneidezähne stehen mehr als 3 Millimeter vor den oberen (auch Frühbehandlung. Frühe Behandlung und Erwachsenbehandlung). |
| M5 | Vorbiss: Untere Schneidezähne stehen mehr als 3 Millimeter vor den oberen (auch Frühbehandlung, frühe Behandung und Erwachsenenbehandung). |
| O5 | Offener Biss (angeboren) mit einem Abstand von mehr als 4 Millimetern (auch frühe Behandlung und Erwachsenenbehandlung). |
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Hier möchte und muss ich Ihnen nochmals die Augen öffnen, denn es können immer nur heute unbekannte Versicherungsfälle versichert werden.
…und genau hier verlieren wir über zwei Drittel unserer Interessenten, die definitiv zu spät gekommen sind – sie sind nicht mehr versicherungsfähig und müssen nun tausende von Euros selbst finanzieren.
Der Versicherungsfall – das ist das, was eigentlich versichert ist – tritt ein, sobald irgendein Arzt eine Diagnose, einen Verdacht oder einen Rat gegeben hat, einen Kieferorthopäden zu besuchen. Ab diesem Zeitpunkt ist bereits das Kind in den Brunnen gefallen!
In Berlin werden bereits schon Kindergartenkinder regelmäßig von den Schulzahnärzten untersucht, oder denken Sie an die U8-Routineuntersuchung, die am Ende des 4. Lebensjahres stattfindet. In dieser Vorsorge wird speziell nach Zahn- und Kieferfehlstellungen gefragt. Eine Empfehlung zur Vorstellung beim Kieferorthopäden oder ein Kreuzchen im U-Heft, und schon ist es wieder zu spät.
Hier unsere dringende Bitte an Sie, damit Sie später auch tatsächlichen Versicherungsschutz haben:
Versichern Sie Ihr Kind so früh als möglich!
…das braucht mein Kind doch nicht?
Perfekte Zähne sind heutzutage zu einer Art von Statussymbol geworden. Die Ansprüche an das gute Aussehen sind gestiegen.
Doch nur bei 5% der Bevölkerung stehen Zähne und Kiefer so, wie sie sollen.
35% haben eine Fehlstellung, die behandelt werden müsste. Bei 30% ist eine Behandlung wünschenswert, bei einem weiteren Drittel ist sie möglich, aber nicht zwingend notwendig.
…wissen Sie als Eltern bereits heute schon, zu welcher Gruppe Ihr Kind gehören wird?
Übrigens tragen zurzeit über 50% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein kieferorthopädisches Gerät im Mund.
Möchten Sie Selbstzahler oder lieber versichert sein?